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Das Geschäft mit Softwaredienstleistungen und warum KI hier grundlegend die Spielregeln ändern wird.

Letztens bekam ich folgenden Artikel zu lesen:

https://www.heise.de/blog/KI-macht-Entwickler-ersetzbar-aber-gute-Architekten-nicht-11097760.html

Tatsächlich bin ich mittlerweile über einige dieser Artikel gestolpert und sie beschreiben etwas sehr gut, nämlich warum ich mir persönlich als Individuum keine Sorgen machen muss, vielleicht.
Warum? Nun weil bei der „Softwareentwicklung“, Problemlösung, „Erfahrung, Intuition und die Fähigkeit, mit Unsicherheit umzugehen“ gefragt ist. Die Arbeit, die sich mit der Problemlösung in Software beschäftigt, meine Arbeit, „erfordert das, was erfahrene Architekten „Bauchgefühl“ nennen: eine internalisierte Mustererkennung, die sich nicht in Regeln fassen lässt.“

„Diese Fähigkeiten lassen sich nicht kurzfristig einkaufen oder durch Tools ersetzen. Sie entstehen über Jahre, durch Erfahrung, durch Fehler, durch intensive Beschäftigung mit einer Domäne.“

So weit so gut: Ich bin dabei! ✓
Glück gehabt!
Oder doch nicht?

Vielleicht nicht, denn ab hier kommt jetzt erst der eigentliche Gamechanger.

Denn wenn ich mit all meiner Erfahrung und meinem Domänenwissen, und nach Abschluss der explorativen Phase der Problemanalyse und Lösungsstrukturierung, normalerweise meine Erkenntnisse in Entwicklungsanträge und Konzepte gegossen hätte, damit 1 bis n Entwickler meine Ideen umsetzen, kann es sich heute vom Zeitfaktor her lohnen, statt diese Konzepte zu verfassen, direkt den Code zur erdachten Lösung zu implementieren.

Bin ich in einer beratenden Tätigkeit / Firma angestellt, habe ich nun aber doch ein Problem. Warum?
Ich brauche also für die gleiche Arbeit heute entweder weniger Zeit oder weniger Personal, am Ende vielleicht sogar Beides.
Das hat zwei wesentliche Konsequenzen:

Weniger Zeit:
  • Sind neben mir als Architekt bisher noch 2 bis 3 weitere Personen in einer Projektlaufzeit x zum Einsatz gekommen, die mein Klient auch bezahlen musste, so bekommt er heute das gleiche Ergebnis dann effektiv mit weniger finanziellem Einsatz. Eine Lösungserstellung in kürzerer Zeit bzw. weniger Personal in gleicher Zeit bringt also nicht mehr so viel Umsatz wie früher.

Weniger Personal:
  • War bisher die Kaskade aus meiner Dokumentationsarbeit und Kollegen, die die Inhalte daraus umzusetzen hatten, geeignet, durch den Dialog zwischen uns, das Domänenwissen, Erfahrung und Intuition bei diesen zu entwickeln, findet das jetzt in erheblichem Umfang weniger statt.

Beide Aspekte zusammen genommen birgt aber eine ernsthafte dritte Konsequenz, nämlich dass die Strukturen, die mein eigenes Gehaltsgefüge getragen haben, zusammenbrechen. Es gibt auf der einen Seite weniger Umsatz an dem ich in der Gehaltspyramide, einmal oben angekommen, überproportional partizipieren kann. Und andererseits gibt es weniger Möglichkeit zum Einsatz und zur Ausbildung junger Kräfte, um die Pyramide überhaupt zu errichten.

Es geht also nicht darum, dass Architekten ersetzt werden, sondern dass der "Übersetzungs-Layer zwischen Denken und Code“ kollabiert.

Dann eben Nägel mit Köpfen machen und alleine und „ohne Pyramide“ meine Gehaltsvorstellungen realisieren, immerhin bin ich selbst ja nun auch produktiver?!
Scheint auch nicht zu gehen:

https://www.heise.de/news/Freelancer-Kompass-IT-Branche-mit-23-Prozent-Auftragsrueckgang-11108309.html

Der Grund dafür, warum der Markt für „Alleinkämpfer“ offenbar schrumpft, ist dabei übrigens offensichtlich. Die oben beschriebene Verschiebung der Produktivität, im Sinn von mehr konzeptioneller, denn der Arbeit an Programmcode bei der Softwareentwicklung, betrifft die ganze Wertschöpfungskette vom Auftraggeber bis hin zu allen Formen der Auftragnehmer.

Ist also bereits der Auftraggeber, und aus eigener Kraft, in der Lage effizienter Softwareprojekte umzusetzen, braucht er dabei weniger Unterstützung. Und damit wird der Markt für IT Dienstleistung enger. Die sich in diesem Markt befindlichen Teilnehmer, Unternehmensberatungen und freie Mitarbeiter, müssen damit umgehen, sind aber selbst auch effektiver in ihrer Arbeit.
An dieser Stelle muss man neben dem Argument der Produktivität noch eine weitere Dimension einführen, um zu verstehen, was die beiden Gruppen unterscheidet.
Entscheidend ist ein struktureller Faktor: Unternehmen kaufen IT-Dienstleistungen nicht primär wegen fehlender Expertise, sondern wegen Risikoverteilung, Kontinuität und organisatorischer Verantwortung.
Auch ein hochproduktiver, „KI-gestützter“ Freelancer bleibt ein Single Point of Failure. Verfügbarkeit, Vertretung, Haftung und Skalierung lassen sich nicht institutionell absichern. Gerade weil fachliche Umsetzung durch KI schneller und günstiger wird, rückt für Auftraggeber die Frage in den Vordergrund, wer Verantwortung trägt, nicht wer den Code schreibt.
Wahrscheinlich werden sich hier also die Beratungshäuser durchsetzen, sich aber doch einem erhöhten Preiskampf gegenüber sehen. Das wiederum verbessert nicht die Umsatzseite, die ohnehin unter Druck ist, wie oben schon dargelegt.

Fazit:
Bin ich Unternehmensberater und Architekt mit Erfahrung, muss ich mir keine Gedanken machen, dass ich arbeitslos werde. Es könnte aber sein, dass ich Gehaltseinbussen hinnehmen muss.
Bin ich in einem IT Departement eines produzierenden Unternehmens angestellt, dann habe ich tatsächlich Glück gehabt und alles ist gut. Ich werde meine Arbeit behalten und wichtiger werden. Auch beim Gehalt werde ich keine Einbußen hinnehmen müssen.

Man sollte also ein Produkt und keine Dienstleistungen anbieten.

Oder allgemeiner formuliert: Man sollte ein wiederholbares Ergebnis verkaufen – nicht Einsatzzeit.

Das könnte dann also bspw. Folgendes sein:
  • ein Produkt
  • eine Plattform
  • ein Framework
  • ein Operating Model
  • ein Entscheidungsprozess
  • ein Governance-Artefakt
  • eine „Architecture-as-a-Service“-Struktur