Lade Inhalt...

Von der Alltagsfrage zur Datenanalyse: Was KI heute leisten kann.

Gestern (also genau gesagt vor 33 Tagen) bekam ich eine Email "Spielbenachrichtigung (LOTTO 6aus49)", die mich dazu trieb mal einer Sache genauer auf den Grund zu gehen.
Nämlich der Frage: "Macht spielen um einen Lotto-Jackpot überhaupt Sinn?"
Natürlich macht Lotto spielen, das weiß meine logischere Hälfte schon länger, überhaupt keinen Sinn. Aber meine eher emotionale Seite nahm bisher das Angebot meines Lottodienstleisters Saarland-Sporttoto GmbH (Saartoto) einen "Jackpot-Jäger" Tippschein automatisch ab einer bestimmten Summe (5,10,15,20 bzw. 25 Mio. €) einzusetzen, gerne an.
Dahinter steckte das Bauchgefühl, dass nämlich ein hoher Jackpot dazu führt, dass auch niedrigere Gewinnklassen, dann eben mit besseren Wahrscheinlichkeiten diese zu erreichen, auch schon zu höheren Gewinnsummen führen. Und war es nicht so, dass Jackpots irgendwann auch einfach an niedrigere Gewinnklassen weitergereicht werden, wenn sie nicht geknackt werden?

Mal das Letzte zuerst: Nein, Jackpots werden seit dem 1. November 2023 eben nicht mehr "Zwangsausgeschüttet".
Das habe ich als erstes lernen müssen. Nun, dann ist es eben so.

Zusätzlich, so lernte ich weiter, verbleiben alle Ausschüttungsbeträge, die über die maximale Gewinnsumme hinausgehen, in der Gewinnklasse 1. Diese Beträge werden als Jackpot-Überlauf in der Gewinnklasse 1 in der ersten Ziehung nach Gewinn des Maximal-Jackpots genutzt. Nachdem der Maximal-Jackpot geknackt wurde, startet demnach die nächste Jackpotphase mit der Gewinnausschüttung aus den Spieleinsätzen plus dem Jackpot-Überlauf – also einem bereits höheren Jackpot.

Aber irgendeinen Sinn musste doch das Angebot von Saartoto haben! Das vor allem deshalb, weil im August 2026 ein Phänomen eingetreten ist, dass mittlerweile echt ins Geld ging: der Maximal-Jackpot bestand schon seit mehreren Monaten, genauer gesagt seit dem 27.05.2026.

Jackpot Gewinnsumme im Verlauf
Hinweis nach Artikel 50 des EU AI Acts (Europäische KI-Verordnung) - Diese Grafik ist durch eine KI erstellt! XD

Das bedeutete also, dass mein "Jackpot-Jäger" schon seit Wochen aktiv war.
Gut, eine definitive Ausschüttung des Jackpots gibt es nicht mehr, aber wie steht es denn nun mit den Ausschüttungen der niedrigeren Gewinnklassen?

Das habe ich dazu die KI gefragt: "Hmm, spannend auch die Erkenntnis „Überschüssige Ausschüttungen werden als sogenannter Jackpot-Überlauf gesammelt und erhöhen den Startjackpot der nächsten Jackpotphase.“ Da sollte der nächste Jackpot dann nach dieser Phase gleich wieder sehr hoch einsteigen und ggf. schon bald wieder an die 50 Mio. kommen?! Bei hohem Jackpot sind die Ausschüttungen in den niedrigeren Gewinnklassen dann aber dennoch auch höher?"

Antwort:
1. Ja, der nächste Jackpot dürfte ungewöhnlich hoch starten
Nach den aktuellen Regeln bleibt der Jackpot zwar bei 50 Mio. € gedeckelt, aber die darüber hinausgehenden Zuführungen gehen nicht verloren. Sie werden als Jackpot-Überlauf angesammelt und der nächsten Jackpotphase in Gewinnklasse 1 zugeschlagen. Je länger die aktuelle 50-Mio.-Phase dauert, desto höher wird also der Startjackpot nach dem nächsten Jackpotgewinn.
2. Dadurch könnte sich das System selbst verstärken
Ich vermute, dass hier ein interessanter Rückkopplungseffekt entsteht
Langer Aufenthalt bei 50 Mio. € → großer Überlauf.
Nach dem Gewinn startet die nächste Serie vielleicht nicht mehr bei 2–5 Mio. €, sondern beispielsweise bei 15 oder sogar über 20 Mio. € (die tatsächliche Höhe hängt vom angesammelten Überlauf ab). Ein hoher Startjackpot zieht wiederum mehr Spieler an. Mehr Spieler führen zu einem schnelleren Anstieg bis 50 Mio.
Das könnte langfristig dazu führen, dass das frühere Sägezahnmuster zunehmend durch ein Muster ersetzt wird, bei dem der Jackpot einen erheblichen Teil seiner Zeit am Maximum verbringt.
3. Steigen die Gewinne der niedrigeren Gewinnklassen während der 50-Mio.-Phase?
Hier liegt ein wichtiger Punkt: Grundsätzlich nein.
Die Ausschüttungsanteile für die Gewinnklassen bleiben unverändert. Auch wenn der Jackpot bei 50 Mio. € steht, wird der zusätzliche Betrag nicht auf die Gewinnklassen 2 bis 9 verteilt, sondern vollständig als Überlauf für die nächste Jackpotphase in Gewinnklasse 1 reserviert. Das ist ein wesentlicher Unterschied zur früheren Zwangsausschüttung.
Allerdings gibt es einen indirekten Effekt
Bei einem 50-Mio.-Jackpot spielen deutlich mehr Menschen. Dadurch steigen die gesamten Spieleinsätze. Da rund 50 % der Spieleinsätze ausgeschüttet werden und die prozentuale Verteilung auf die Gewinnklassen gleich bleibt, werden auch die Ausschüttungen in den Gewinnklassen 2 bis 8 im Durchschnitt höher – allerdings nicht wegen des Jackpots selbst, sondern wegen des größeren Einsatzvolumens.

OK, will heißen mein "Jackpot-Jäger" bleibt jetzt vermutlich tatsächlich daueraktiv! Nicht schön, also mindestens auch, wenn nicht die Annahme, dass die Spieleinsätze durch mehr Tipps steigen, nicht zuträfe.

Daraufhin haben die KI und ich eine "kleine Analyse" gestartet und das sind die Ergebnisse:


Zusammenfassung:
  • Keine der Gewinnklassen 2–8 zeigt einen statistisch signifikanten linearen Zusammenhang mit der beworbenen Jackpothöhe (alle p-Werte größer 0,05). Die Jackpothöhe erklärt je nach Klasse nur etwa 0,0 % bis 4,4 % der Schwankung der Gewinnquote. Damit stützen die Daten die These, dass ein hoher Jackpot die niedrigeren Gewinnklassen pro Gewinner nicht systematisch attraktiver macht.
  • Über alle 104 Ziehungen besteht ein positiver Zusammenhang zwischen Jackpothöhe und Zahl der GK2-Gewinner (Pearson r=0.049). Das Poisson-Modell entspricht modellhaft 2.8% mehr erwarteten GK2-Gewinnern je zusätzlichen 10 Mio. € Jackpot. Bei besetzter GK2 fällt die Quote mit wachsender Gewinnerzahl deutlich; die Spearman-Korrelation beträgt -0.730.

Also das ist ja ein Ding! Höhere Jackpots - ja - können, durch die erhöhte Anzahl von Tipps und damit den Spieleinsätzen, zu erhöhten Ausschüttungen je Gewinnklasse führen. Allerdings ist die Anzahl der Gewinner je Klasse dann statistisch auch höher, eben weil mehr Tipps eingegangen sind.
Am Ende führt das also dazu, dass höhere Jackpots überhaupt keinen Effekt auf die Gewinnhöhen der Gewinnklassen 2 bis 9 haben. Der durch Saartoto angebotende "Jackpot-Jäger" ist also total sinnbefreit.
Konkret: Der "Jackpot-Jäger" verbessert weder meine Gewinnwahrscheinlichkeit noch – nach den untersuchten Daten – die typischen Gewinne in den Klassen 2 bis 8. Sein einziger mathematischer Vorteil liegt in der höheren möglichen Auszahlung der extrem unwahrscheinlichen Gewinnklasse 1. Ob dieser minimale Erwartungswertvorteil die zusätzlichen regelmäßigen Einsätze rechtfertigt, ist eine persönliche Entscheidung. Für mich tut er das nicht. Konsequenz: der "Jackpot-Jäger" ist jetzt deaktiviert.

Lessons learned:
Wer schon mal eine Frage hatte und die so richtig durchleuchten wollte, der braucht dafür nicht mehr tagelang Daten sammeln und Statistiken erstellen bzw. auswerten. Der legt sich Abends ins Bett und plaudert ein wenig mit der KI. Am Ende bekommt man alles frei raus und im Detail aufbereitet. Voraussetzung ist natürlich, dass die Daten für die Analyse zugänglich sind.
Und dabei habe ich dann am Ende wirklich noch was Echtes lernen dürfen: Nämlich, dass man Webseiteninhalte sehr gut mit dem Jina Reader für KI aufbereiten kann.

Wie der Jina Reader arbeitet.

Und noch wichtiger, dass es hierzu eine Open Source Bibliothek gibt, die man selbst bei Entwicklungen verwenden kann. Das habe ich dann direkt bei meinem eigenen Website-Indizierer eingebaut!
Sehr coole Session!